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  • paraDies & paraDox

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    scissors
    Oktober 18th, 2009VerstylerKunst, Preise, Wettbewerbe

    Heute möchte ich euch eines meiner Werke vorstellen. Es handelt sich um “paraDies & paraDox”. Dieses entstand im Rahmen des Jugendkunstpreises 2009 der LKJ Sachsen und brachte mir den 1. Platz in der Kategorie “Bildende Kunst” ein. Welch eine Freude!

    Virtuelle Welten sind heute ein Teil unseres Lebens. Was sucht, was findet man dort, was es in der realen Welt nicht gibt? Wer will ich dort sein? Worin besteht die Faszination der „Second World“? Wie verändert sich durch zeitaufwändige Kommunikation in social networks wie Schüler- und Studi-VZ, MySpace oder MyFriend das Miteinander der Geschlechter, der Generationen oder der Familien? Ist es ein MUSS, „dabei“ und „drin“ zu sein? Verlieren Freundeskreise und Cliquen, mit denen man sich im Park oder im Club trifft, deshalb an Bedeutung? Filme und Musik aus dem PC statt mit Freunden ins Kino oder in die Disco zu gehen?

    Wikipedia statt Bibliotheksbesuch? Einkaufen bei Ebay statt in der City? Spielkonsole statt Brettspielen? Vereinzelung statt WIR-Gefühl? Oder im Gegenteil: raus aus der Vereinzelung – rein in die community der user und blogger? Weltflucht oder Sinnsuche?
    Quelle: http://www.lkj-sachsen.de/juku-preis/UnserAnliegen/


    Das Original
    … ist gerade mal A4 groß. Dies ist auch meine bevorzugte Art zu malen. Möglichst klein, detailliert und bunt. Dank digitaler Medien ist es mir möglich, diese kleinformatigen Werke frei zu skalieren um so ungeahnte Größendimensionen erreichen zu können.
    Das Vektorisieren gibt mir außerdem die Möglichkeit, die winzigen Details besser sichtbar zu machen, kleine Fehler auszubessern oder einzelne Objekte zu extrahieren.

    Der Künstler
    … bin ich. Man könnte sogar sagen, dass ich Raffael Jesche bin. Ich bin 22 Jahre alt und offiziell nichts.  Offiziell meint in dem Fall das Nichtvorhandensein von Ausbildung, Beruf, Studium oder reichen Eltern.
    Mich selbst würde ich als politisch und kulturell engagierten, ab und zu jobbenden, meist unbezahlten Grafiker und hoffentlich bald erfolgreichen Künstler beschreiben.

    Das Bild
    … beschreibt die Vielfalt, die Vernetzung und die scheinbare Unstrukturiertheit, jedoch auch die Gefahren des Internets. Es beginnt und endet mit einem HTML-Tag, wie es sich für ein richtiges Webdokument gehört. Am Anfang des Dokuments verlässt ein Surfer die reale Welt durch ein Tor und macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Er gleitet nun in seine eigene virtuelle Welt hinein. Die Landschaft in der realen Welt ist bewusst schön gewählt, da ich nicht sagen kann, ob die eine oder die andere nun besser ist. Beide sind schön und beide bergen ungeahnte Gegebenheiten. Ab dem Eintritt in die Paralleldimension ziehen sich die Linien wie ein Faden durch das gesamte Werk. Dabei gibt es viele Abzweigungen und der Betrachter stößt immer wieder auf kleinere interessante Objekte – so, wie es beim normalen Surfen im Internet auch der Fall ist. Besonders wichtig ist mir dabei der Wachturm, oder auch oogle-Tower. Darin sehe ich ein hohes Risiko, da die unbedachte Nutzung des Internets zu einer völligen Veröffentlichung der eigenen Privatsphäre führen kann. Für den Einzelnen mag das gut und schön sein. Immerhin gibt das Veröffentlichen von Informationen zur eigenen Person die Chance, Anerkennung über den eigenen Freundeskreis hinaus zu bekommen und fördert dazu enorm die überregionale Kommunikation. Wer sich häufig  in einem der diversen sozialen Netzwerke herumtreibt wird den Spruch auf dem oogle-Tower in seinen  diversen Abwandlungen auch gleich wiedererkennen. In diesem Zusammenhang beschreibt er die Informationsmonopole von bekannten Suchmaschinen oder auch Menschen-VerZeichnissenKatalogen.
    Natürlich ist Überwachung nicht das Einzige, was ich damit ausdrücken möchte. Der Computer und das Internet sind mittlerweile ein wichtiger, wenn nicht gar unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebens. Daher führen vom „Leben“ auch Abzweigungen zu verschiedenen Aspekten, die zum Alltag dazu gehören, in der Regel mit dem Kontakt zu anderen Menschen zu tun haben und von denen sich jeder selbst aussuchen kann, ob er sie vom heimischen PC oder bei einem Konzert, im Kino oder auf Arbeit erleben möchte.
    Schlussendlich verlässt der Surfer die Welt wieder in einem Boot. Die lange Reise durch die vielen bunten Facetten ist vorbei und die Diskokugel am Ausgang ist nur eine Variante, was er als nächstes erleben könnte.

    Virtuelle Welten
    Der Spruch „Ob im Netz oder im Kopf – die Parallelwelt gibt es doch.“ ist mir ein weiteres wichtiges Anliegen, welches in diesem Werk zum Ausdruck kommen soll. Die Malerei an sich ist schon eine virtuelle Welt, in der man sich verlieren kann. Sie drückt aber auch sämtliche Inhalte der realen Welt ringsherum auf erstaunlich abstrakte Weise aus und schafft somit eine Brücke zwischen Realität und Illusion. In ihr ist das Abdriften in eigene kreative Dimensionen meist auch ein Teil des Schaffensprozesses.
    Das Internet geht in seiner Interaktion, mit seinen unglaublich vielen Facetten in der Bildung von virtuellen Welten noch einen Schritt weiter, da einfach alles jederzeit erreichbar und konsumierbar ist. Das permanente Vorhandensein von Konsumgütern im Internet lässt das Schaffen jedoch häufig in den Hintergrund treten. Damit will ich das Abdriften – egal in welcher Form – auf keinen Fall verteufeln. Im Gegenteil. Es  gehört zum Leben dazu und es kann einem beim Malen, auf einem Konzert, beim Sport, im Internet oder  einfach nur vor dem Fernseher passieren. Für den Einen ist es Entspannung, für den Anderen Bildung  und für den Nächsten Kreativität. Ob und wie man das dann nutzt ist jedem selbst überlassen.

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One Response to “paraDies & paraDox”

  1. [...] und sollte also zukünftig mein eigenes kleines Blog meiden. Es tat ja schon weh, mein Bild “paraDies & paraDox” zu zensieren. Es entstand für den Wettbewerb um den Jugendkunstpreis der LKJ Sachsen zum [...]

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